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Tanzania (16.-25. Oktober 2012)

Tanzania (16.-25. Oktober 2012)

Am Grenzoffice erledigen wir zuerst die Immigration und dann gehts wie üblich zum Custom Office für den Stempel im Carnet. Damit es den aber gibt, müssen wir noch die kenianische Road Tax bezahlen. Der nette Officer akzeptiert aber leider, ganz korrekt gemäss neuester Weisung, keine US-Dollar und wir haben die letzten Kenya Schilling in der Lodge verjubelt. Nägi macht sich also zu Fuss auf die Suche nach einem ATM, während Lex mit dem Grenzofficer etwas über Kenya plaudert. Nach einer halben Stunde kommt Nägi ohne Schilling zurück. Beide Geldautomaten des Grenzdorfes kämpfen mit Verbindungsproblemen und auch die netten Bankangestellten können nicht weiterhelfen. Der Officer will aber auf keinen Fall, dass wir bei einem der diversen, äusserst netten Herren vor seinem Büro die 20 Dollar in Schilling wechseln und schickt uns zu einem ganz bestimmten Wechselbüro. Dort würden wir einen guten Wechselkurs erhalten, weil der Inhaber Somalier und Moslem ist. Allah scheint mit Bescheissen weniger nachsichtig zu sein als Gott, obwohl wir immer gemeint haben, dass das die gleichen sind… Alles in Allem dauert es gut eine Stunde bis wir Kenya verlassen können. In Tanzania geht es dann ziemlich zügig voran. Fast etwas zu zügig. Der Zöllner füllt nämlich die mittlerweile fünfte Seite unseres Carnets falsch aus. Da er zum ersten Mal ein solches Dokument gesehen hat, zeigen wir natürlich vollstes Verständnis und lösen das Problem pragmatisch. Die fehlerhafte Seite existiert jetzt nicht mehr. Nach Seite 4 (Kenya) kommt gleich die Seite 6 (Tanzania)…

Wir fahren los in Richtung Musoma auf wunderbarer Teerstrasse. Die Landschaft ist hügelig und saftig grün und irgendwann gehts dann auch über einen Teil des Viktoriasees.

In Musoma suchen wir eine passende Unterkunft und finden das Tembo Beach Hotel direkt am Lake Victoria. Nägi kauft sich in der Stadt noch eine tanzanische SIM-Karte und versucht dann über längere Zeit das Internet zum Laufen zu bringen. Und mit den IT-Problemen zeigt er zum ersten Mal seit längerem wiedermal etwas Nerven J. Die traumhafte Ruhe am Lake Victoria, ein glücklicherweise kühler Drink, eine leider kühle Dusche und ein spektakulärer Sonnenuntergang über den See gläten aber die Wogen und nach dem einfachen tanzanischen Essen im Restaurant beim Hotel flüchten wir vor den unzähligen Moskitos in unser Zimmer.

Nach dem Frühstück geht es los in Richtung Grumeti Reservat. Wir kommen schneller voran als erwaret. Die Strassen sind zwar Schotterpisten, aber in gutem Zustand und problemlos sind 60 bis 70 Stundenkilometer möglich. Bereits um 11:00 Uhr sind wir in Nata, wo uns unser Guide abholt. Wir fahren ihm hinterher durch die offenen und weiten Landschaften des Grumeti Reservates. In der Singita werden wir herzlich empfangen. Es gibt eine traditionelle tanzanische Handwäsche (die wir schon etwas weniger pompös am letzten Abend im Restaurant in Musoma geniessen konnten) und einen Fruchtcocktail. Kurz darauf beziehen wir unser Zelt. Wunderbar geräumig, mit allem Luxus und einer wunderschönen Terrasse mit Weitblick.

Lex packt aus und danach gibt es Lunch und ein Glas Weiswein auf der Terrasse vor dem Hauptzelt, welches wie der Rest der Lodge ganz im Stile der ersten englischen Kolonialisten in Afrika eingerichtet ist. Den Nachmittag geniessen wir dann auf unserer Terrasse und um 16:00 Uhr geht es los auf den Game Drive. Wir teilen das Auto mit drei brasilianischen Amerikanern und sehen jede Menge Tiere, wie Giraffen, Zebras, Büffelherden, Hyänen und eine Elefantenherde. Das allerdings nicht nur die herzigen und schönen Dinge im nicht durch den Mensch regulierten Lebensraum der Nationalparks dazugehören, wird uns wieder einmal bewusst, als wir ein totes Elefantenbaby entdecken, welches nur einige Wochen alt wurde und an einer Krankheit erlegen ist. Das Tier ist erst vor Kurzem verstorben und die Elefantenmutter trauert noch immer mit lautem Brüllen, nachdem das Elefäntchen auch nach vielen Schubsern nicht mehr zum Aufstehen bewegt werden kann. Nur schwer kann sich die trauernde Elefantenkuh von ihrem toten Kind losreissen.

Und trotzdem folgt ein wunderschöner Sonnenuntergang. Im Gespräch mit den Brasilianern, welche in New York und Washington DC leben, erfahren wir ausserdem, dass einer von ihnen lange in der Schweiz gelebt hat und perfekt deutsch spricht. Zurück in der Lodge schieben wir unsere Tische zusammen und geniessen bei einem vorzüglichen 3-Gänge-Menü einen lustigen Abend zu Fünft.

Das Handy von Lex, welches gleichzeitig auch unser Wecker ist, hat den Geist aufgegeben und wir werden kurz vor 6 durch liebliches Vogelgezwitscher geweckt. Treffpunkt in zwei Minuten für den morgentlichen Game Drive in der Lobby… Wir schaffen das fast und sind noch vor unseren brasilianischen Kollegen, welche in der letzten Nacht nicht viel Schlaf gefunden haben, beim Tee und den Muffins. Nachdem alles verdrückt ist, geht es wieder auf Pirsch und wir sehen unglaublich viele Hyänen, aber auch Zebras und Gnus. Und endlich haben wir unsere erste Panne! Einen Plattfuss. Und obwohl nicht an unserem eigenen Auto, hilft Nägi gerne beim Radwechsel. Derweil diskutieren die drei Divas und Lex, wer die besseren Fotos schiesst 😉 Bald geht es weiter und wir treffen auf drei Löwenmännchen und etwas weiter auf ein sich paarendes Löwenpärchen. Die Suche nach dem Geparden bleit dann leider aber erfolglos.

Zurück im Camp gibt es Frühstück mit Müsli, Fleisch, richtig gutem Käse, Rührei und allem was das Herz begehrt. Lex bestellt sämtliche (!) Gerichte auf der Karte und muss anschliessend eingestehen, dass das doch etwas gut gemeint war… Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen haben, wird gepackt und geduscht. Dann müssen wir leider schon wieder Good-bye sagen. Nun ja, wir haben ja nochmals das Vergnügen mit einer Singita J. Durch die wunderschöne Landschaft fahren wir Richtung Ikoma Gate. Dort können wir die saftigen Parkgebühren sogar mit Kreditkarte bezahlen. Welch ein Glück, uns gehen nämlich bald die Dollars aus. Im Park fahren wir dann langsam auf der Suche nach Tieren zur Serena Lodge, sehen aber bloss ein paar Zebras, Pumbas, Hippos und Antilopen. In der Lodge beziehen wir das Zimmer, erledigen ein paar Mails und lesen ein wenig. Wir wollen morgen ausgiebig auf Pirschfahrt gehen, da es sowieso angefangen hat zu regnen.

Um 6:00 Uhr gehen wir im eigenen Auto auf Pirschfahrt. Die Strasse ist etwas mühsam und die ersten 20km sehen wir so gut wie gar nichts. Lex wechselt ans Steuer, da sich Nägi über die ruppige Strasse ärgert und an Lex Fähigkeiten als Spotter zweifelt. Und tatsächlich. Plötzlich finden wir eine riesige Büffelherde, Giraffen, viele Warzenschweine, Zebras und verschiedene Antilopen. Ob es allerdings wirklich an Nägis Fähigkeiten als Spurensucher liegt, sei mal dahingestellt. Wir kehren fürs Frühstück in die Lodge zurück. Danach schreiben wir an unserem Blog und gehen spät Mittagessen. Eigentlich wollten wir am späten Nachmittag nochmals auf Pirsch, aber das Wetter spielt nicht besonders mit und wir sind beide vertieft in unsere Bücher. Wiederum spät geht es zum Abendessen und wir staunen nicht schlecht, als wir unsere Overlander-Kollegen aus Marsabit am Dessertbuffet antreffen. Die Amerikaner wohnen ebenfalls in unserer Lodge und Bryn und Gemma, das Paar aus Südafrika und England, campieren in der Nähe. Wir trinken noch gemeinsam etwas an der Bar und tauschen unsere Erlebnisse seit der letzten Woche aus.

Wir schlafen etwas aus und packen gleich alles zusammen. Nach dem Frühstück fahren wir los in Richtung Ngorongoro Crater. Der erste Teil der Strecke führt uns durch eine wunderschöne Landschaft und wir sehen sogar eine Löwin im Gras und Lex entdeckt ein Tawny Eagle mit einer Beute auf einem Baum. Anfangs sind die Strassen in Ordnung, aber bald ist die Rüttelei kaum mehr auszuhalten. Am Gate schluckt Lex einmal leer als sie die Nationalpark-Gebühren für die nächsten zwei Tage in Bar bezahlen muss. Der ganze Spass kostet uns 480 USD. Aber naja, once in a lifetime… Wir sind ziemlich sicher, dass von diesem doch stattlich Betrag allerdings nicht besonders viel in den Unterhalt der Strassen fliesst. Der miserablen Piste zum Krater nach zu urteilen, ungeführ zwei Pennies. Die Strasse ist brutal eng und besteht nur aus staubigen Wellblech-Hügeln, die weder in langsamen noch rasanten Tempo angenehm zu befahren sind. Dazu kommt, dass die Fahrweise der entgegenkommenden Autos untertrieben gesagt kriminell und etwas rücksichtslos ist. Die Tanzanier fahren nicht nur in einem horenden Tempo sondern auch mitten in der Strasse und weichen, wenn überhaupt, erst in letzter Sekunde aus. Wir sind daher ziemlich am Ende als wir in der Lodge ankommen und haben für eine Weile genug von african massage (Rüttelpiste) und spülen eine ganze Menge african lotion (Staub) in unserem Zimmer die Dusche runter. Am Nachmittag mögen wir nicht viel unternehmen und relaxen im Zimmer mit Blick auf den Krater.

Wir erwachen vor Sonnenaufgang und stehen vor dem Wecker auf. Nach dem kurzen Frühstück erhalten wir unsere Lunchboxen und machen uns auf den Weg Richtung Gate. Dort registriert sich Lex, währenddem Nägi den Benzinkanister neu auf dem Dach befestigt. Sogar dem Spannset hatte die gestrige Rüttelpiste den Rest gegeben. Ziemlich steil geht es den Kraterrand hinunter und die Sicht ist atemberaubend. Unten empfangen uns eine Herde Büffel, Zebras und auch ein paar Massais mit Kühen. Die Landschaft ist fast paradiesisch und sehr abwechslungsreich. Wir sehen Hippos, Affen, einen Geparden, eine Hyäne, viele Zebras und Gnus und dann ein paar Löwen, die soeben einen Büffel gerissen haben. Am Mittag picknicken wir an einem der vorgegebenen Rastplätze, wunderschön an einem kleinen See gelegen. Wir sind jedoch nicht die einzigen und ziehen mit dem roten Landy mit Schweizer Nummer die Aufmerksamkeit auf uns. Eine Schweizer Reisegruppe spricht uns an und wir erzählen ein wenig von unserer Reise.

Danach fahren wir zurück zu den Löwen und Lex entdeckt etwas weiter vorne noch ein paar weitere hinter einem Baum. Wir queren einen Bach und folgen einem der Löwen, der den erlegten Büffel als Ziel hat. Auf dem Rückweg sehen wir noch ein stolzes Löwenpärchen. Wir fahren die einzige Auffahrt, die zurzeit befahrbar ist, hinauf und entlang der Kraterwand zurück zur Lodge. Wir essen wiederum in der Lodge zu Abend.

Nach dem Frühstück fahren wir gemütlich zum Gate und verlassen die Ngorongoro Crater Area. Auf einwandfreier Teerstrasse geht die Fahrt weiter. In Karatu erkennt Nägi plötzlich den Landrover von Bryn. Wir halten und finden die beiden kurz darauf in einem Shop. Die Welt ist klein, vor allem auf dem Weg nach Südafrika J Wir plaudern ein wenig und nutzen die Gelegenheit um noch ein paar Souvenirs zu kaufen. In der Lodge gibt es dann gleich Mittagessen und danach lesen wir auf unserer Terrasse mit Sicht auf den Lake Manyara. Irgendwann besucht uns ein Eichhörnchen und verirrt sich in unserem Zimmer. Unter dem Bett bleibt es eingeschüchtert liegen und Nägi zeigt ihm mit Hilfe eines Regenschirms den Weg nach draussen.

Heute stehen wir früh auf und fahren gleich nach dem Frühstück in den Lake Manyara Nationalpark. Nach dem Gate beginnt ein kräftig grüner Urwald mit kleinen Bächlein und vielen verschiedenen Vögeln. Wir fahren zum Hippo Pool, aber weit und breit sehen wir kein Hippo. Dafür treffen wir auf ein erst kürzlich geborenes Zebra-Baby, das kaum auf eigenen Beinen stehen kann.

Wir fahren weiter und treffen immer wieder auf riesige Affenherden und Elefanten. Die Landschaft ist beeindruckend, die Tierwelt könnte etwas spannender sein. Auf dem Rückweg treffen wir auf einen einsamen Elefantenbullen, der uns den Weg versperrt, weil er gerade mit Bäume fällen beschäftigt ist. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zu warten. Auf tanzanischen Strassen gilt immer das Recht des Stärkeren J

Zurück im Camp wollen wir unser Fahrzeug mal richtig rausputzen (Wir wollen nicht. Lex will und Nägi hat den Eindruck, dass es nicht schaden könnte…). Der Staub hat sich mitlerweile so festgesetzt, dass es bei geschlossenen Fenster kaum noch auszuhalten ist. Wir putzen alle einzelnen Kisten raus und brauchen dafür fast 2 Stunden. Kurz vor Schluss schleichen wir uns noch kurz ans Buffet fürs Mittagessen. Nachdem wir den Staub weggeduscht haben, geniessen wir das süsse Nichtstun und essen wiederum in der Lodge.

Die heutige Fahrt ist ziemlich kurz. Nach einem Kilometer Schotterpiste, geht es auf Teerstrasse in Richtung Tarangire. Wir fahren eine kurvige Strasse mit Sicht auf den Lake Manyara runter und überholen zwei verunfallte Lastwagen, einer hat kein rechtes Vorderrad mehr und der andere ist sogar auf die Seite gekippt. Uns wundert es wenig bei der ziemlich offensiven Fahrweise der Tansanier. Fast verpassen wir den Abzweiger zur Tarangire Treetops, die in unserem GPS nicht drin ist. Auf staubiger und stockiger Strasse geht es 23km bis zur Lodge, die ausserhalb des Parkes liegt. Nicht nur auf dem Weg treffen wir auf Elefanten, auch von der Lobby der Lodge können wir gleich ein paar Elefanten beim Wasserloch beobachten. Die Lodge ist um einen 800 Jahre alten Baobab-Baum gebaut und ist wunderschön der Umgebung angepasst. Am Nachmittag unternehmen wir einen Buschwalk in der Umgebung. Zu Fuss begegnen wir ein paar Zebras, Giraffen, Antilopen und zum Schluss gar einigen Büffeln. Dazu gibt es vom Guide auch diverse Erläuterungen zu Termiten, Pflanzen und Gewohnheiten der Massais. Mit dem Auto fahren wir dann auf einen Hügel, von wo aus wir einen wunderschönen Blick auf den Tarangire Nationalpark haben und bei einem Sundowner die einzigartige Stimmung eines afrikanischen Sonnenuntergangs geniessen. Auch die Bienen scheinen in der trockenen Region grossen Gefallen an unserem Wein zu finden und nur mit etwas Mühe und mit der Unterstützung von viel Inseketenspray auf der Haut können wir dem Schwarm ohne Stiche entwischen. In der Lodge gibt es ein romantisches Abendessen am Pool, von wo wir wiederum Elefanten beim Wasserloch beobachten können.

Ein unglaublich lauter (schon fast etwas mühsamer…) Vogel weckt uns gegen 5 Uhr. Nachdem wir ihn (nur in Gedanken!) erlegt haben, dösen wir noch etwas weiter. Nach dem Frühstück fahren wir die Schotterstrasse zurück zur Hauptstrasse. Unterwegs stellt sich uns eine Elefantenkuh in den Weg und macht uns nur wiederwillig Platz zum Durchfahren. Auf einer Teerstrasse, die teilweise ganz fiese Spurrinnen hat, geht es nach Arusha und von dort weiter Richtung Namanga, an die Grenze zu Kenya. Unterwegs beobachten wir wie ein komplettes Silo von einem fahrenden Lastwagen geblasen wird und durch die Gegend fliegt. Gut wird niemand damit getroffen. Ein Velofahrer legt jedoch etwas verwirrt eine Pause ein. Können wir verstehen. Wahrscheinlich ist sein gesamtes Leben an ihm vorbei gezogen, als das schwarze, zehn Meter hohe und drei Meter dicke Fass mit 50 Stundenkilometern knapp über seinen Kopf geflogen ist. Bereits um Mittag sind wir an der Grenze zu Kenya.