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Malawi (11.-20. November 2012)

Malawi (11.-20. November 2012)

Wir staunen nicht schlecht, als wir nach gut fünf Minuten Immigration, fünf Minuten beim Zollbeamten und ohne einen Rappen zu bezahlen nach Malawi einreisen können. Wir fahren durch eine grüne Gegend und bald erkennen wir in der Ferne den wunderbar türkis schimmernden Lake Malawi. Entlang des Seeufers geht es in Richtung Karonga, dem grössten Ort im Norden des Landes und weiter über einen kleinen Pass nach Chimpamba und Rumphi. Dort wollen wir tanken, aber wie bereits bei den diversen Tankstellen auf dem Weg gibt es auch hier heute keinen Diesel. Der Tankwart meint noch “maybe tomorrow” und was das heisst, haben wir in den letzten zwei Monaten in Afrika gelernt. Der gute Mann hat keine Ahnung, ob er irgendwann im nächsten Jahrzehnt eine Lieferung Diesel erhält… Nägi kauft noch eine SIM-Karte und dann fahren wir gut 70 Kilometer auf schlechter Schotterstrasse durch viele Dörfer weiter zum Parkeingang. Im Park geht es dann zuerst durch dichten Wald und nach gut 20 Kilometer biegen wir auf einen 4×4 Trail ab, welcher uns von einer älteren Neuseeländerin, die für die Parkgesellschaft arbeitet, empfohlen worden ist. Bald befinden wir uns mitten in bildschöner Wildnis, die uns an die Schweizer Alpen erinnert. Die Strasse ist wirklich nur für 4×4 gedacht, sehr holprig und teils sehr steil, dafür durch eine traumhafte Landschaft. Auf dem Nyika-Plateau erwartet uns eine unglaubliche Weite mit sanften Hügeln und grünen Weiden. In der Chelinda Lodge werden wir herzlich empfangen. Wir sind die einzigen Gäste und können gleich unser riesiges Chalet beziehen. Wir geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang von unserer Veranda aus. Das Abendessen wird uns im eigenen Chalet vor dem Cheminée, in welchem ein knisterndes Feuer für Wärme und Bergromantik sorgt, serviert.

Wir erwachen früh und geniessen die einzigartige Morgenstimmung. Nach dem Frühstück gehen wir auf eine Naturfahrt. Wir fahren zu einem künstlichen Damm, wo wir viele Roan-Antilopen sehen. Über eine saftig grüne Wiese spazieren wir zwischen Zebras und Antilopen, betrachten die verschiedenen Blumen und Pflanzen und bestaunen das einmalige Panorama.


Zurück in der Lodge geniessen wir unser Chalet und die Terrasse mit Weitsicht. Wir lesen und schreiben Blog. Das Mittagessen geniessen wir in Gesellschaft von Sam, dem aus Zambia stammenden Lodge- Manager. Am späten Nachmittag begeben wir uns auf eine weitere Naturfahrt. Wir fahren in Richtungen Norden über sanfte Hügel und sehen eine riesige Herde Eland-Antilopen. Bei einem Sundowner geniessen wir den wunderschönen Sonnenuntergang.

Auf dem Rückweg spottet unser Guide sogar einen Leoparden. Zuerst von weit weg, aber wir fahren off road und kommen ziemlich nahe an das Tier heran und können ihn wunderbar beobachten. Zurück in der Lodge essen wir heute im Haupthaus ums Cheminée zu Abend.

Schweren Herzens verabschieden wir uns vom Lodge Personal und der einzigartigen Gegend. Mit frisch geputztem Auto und mit 40 Liter mehr Diesel aus dem Bestand der Lodge (bezahlt und nicht geklaut) fahren wir los. Wir nehmen die gleiche 4×4 Piste durch die Märchenlandschaft zurück zum Gate und dann gehts auf Schotterstrasse zurück nach Rumphi. In Rumphi versuchen wir unser Glück nochmals an der Tankstelle, aber wie erwartet, gibt es noch keinen Diesel. Auf Teerstrasse fahren wir rund 60 Kilometer bis nach Mzuzu. Auch in der drittgrössten Stadt Malawis mit über 130’000 Einwohnern stehen die Autos in langen Schlangen vor den Tankstellen und warten auf den nächsten Lastwagen. Wir haben noch genung Diesel im Tank und fahren daher weiter Richtung Lake Malawi. In Khata Bay werden wir ebenfalls kopfschüttelnd weitergeschickt. In Chintheche finden wir schon gar keine Tankstelle. Auch in Dangwa gibt es an beiden Tankstellen kein Diesel. Wir fahren weiter nach Salima. Unterwegs treffen wir wie überall in Malawi auf enorm viele Velofahrer und Fussgänger, dafür kaum auf Autos. Die Kinder rufen uns zu und winken heftig, wenn wir vorbei fahren. Die Sonne geht langsam unter, aber wir wollen noch bis Nkhotakota weiterfahren und dort unser Glück versuchen. Es dunkelt bereits ein, als wir dort zur Tankstelle kommen, aber wer hätte es gedacht, hier gibt es tatsächlich Diesel! Nägi füllt den Tank auf, während Lex einem lokalen Strassenverkäufer ein paar Bändeli abkauft. Danach steuern wir das Sitima Inn an, das in unserem GPS als “fantastic lodge” beschrieben ist. Auf der Strasse hat es immer noch eine Menge Fussgänger unterwegs, welche meist nicht mit Reflexbekleidung ausgerüstet und naturgemäss im Dunkeln nicht besonders gut zu erkennen sind. Das macht das Fahren etwas anstrengend und wir sind froh, als wir im Hotel vom südafrikanischen Besitzer begrüsst werden. Es riecht etwas streng nach Fritiertem, aber das Zimmer ist ganz ok. Die Dusche nach dem langen und heissen Tag ist der reinste Luxus. Bei erstaunlich gutem Essen an der Bar lernen wir Bryan aus North Carolina kennen. Er arbeitet zurzeit für eine irische NGO als landwirtschaftlicher Berater in Malawi und wirkt etwas frustriert. Im Vergleich zu seinem letzten Einsatz in Burma ist die Arbeit mit den malawischen Bauern die reinste Sisiphusarbeit.

Zum Frühstück gibt es ein “healthy start” mit Müesli und Eggs Benedicts mit Spinat und Feta für Lex (wir sind uns nicht sicher, ob das halbe Kilo Sauce Hollandaise über dem pochierten Ei wirklich besonders gesund ist) und continental breakfast für Nägi. Danach fahren wir gut 100km bis nach Salima und weiter nach Monkey Bay. Irgendwo nehmen wir einen Abzweiger auf eine Schotterstrasse und fahren etwa 14 Kilometer auf einer miserablen Schotterstrasse mit riesigen Schlaglöcher. Zwar eine Abkürzung, schneller werden wir dadurch aber nicht. Macht nichts, wir sind ja früh dran. Kurz vor Monkey Bay geht der Abzweiger nach Cape Maclear und bald ist auch schon das Pumulani angeschrieben. Im Hotel beziehen wir unsere Villa mit separatem Wohn- und Schlafzimmer mit je einem Balkon, sowie einem Badezimmer, das etwa die Grösse unserer Zürcher Wohnung hat. Gleich danach gibt es Lunch und dann steigen wir die vielen Treppen runter zum Strand. Wir gönnen uns einen ersten Schwumm im See und enstpannen im Liegestuhl beim Lesen. Um 16:00 Uhr machen wir eine Fahrt mit dem traditionellen Segelboot auf dem Lake Malawi, dem Dhow. Wir haben das Boot für uns und die Stimmung ist einmalig. Etwas weiter aussen stoppen wir und gehen schwimmen. Danach unterhalten wir uns mit unserem Captain Black und seinem Kollegen und lernen dabei auch ein paar Wörter in Chichewa. Dabei sorgt die Übersetzung des Namens des lokalen Biers “Kuche Kuche” für etwas Überraschung. Anscheinend heisst das soviel wie “Herbei mit der Dämmerung” und interpretiert wird es als “trinken, trinken, die ganze Zeit”. Wir sind so in die spannende Unterhaltung vertieft, dass die beiden Besatzungsmitglieder anscheinend gar nicht merken, dass wir etwas zu nah ans Land gekommen sind. Wegsegeln geht nicht mehr und der Motor springt auch nicht an. Es geht nicht lang und wir laufen auf. Für kurze Zeit herrscht Panik auf der Titanic. Dank Nägis tatkräftiger Unterstützung läuft der Motor nach kurzer Zeit wieder. Und um das Boot wieder von der Sandbank runterzukriegen, springen die Männer inklusive Nägi ins Wasser und schieben. Mit Unterstützung des Motors und etwas Muskelkraft wird die Dhow mit etwas Mühe wieder flott gemacht. In der Zwischenzeit fotographiert Lex ein paar badende Kinder, die das Schauspiel auch amüsiert beobachten und sich lauthals mitteilen. Nach der Anstrengung geniessen wir einen kühlen Sundowner bei einem traumhaften Sonnenuntergang. Auf dem Rückweg sehen wir gar noch ein paar Hippos im seichten Wasser. Viele Fischerboote fahren langsam auf See und es hat überall Kinder beim Baden. Zurück in der Lodge gibt es einen Cocktail an der Bar und anschliessend ein hervorragendes Abendessen. Es ist nach wie vor so heiss, dass wir uns auf das klimatisierte Zimmer freuen.

Für heute haben wir einen Schnorchelausflug gebucht. Nach dem Frühstück erwartet uns Black am Strand. Mit dem Motorboot fahren wir eine Viertelstunde zur West Thumbi Island. Anscheinend einer der besten Orte zum Schnorcheln, auch als “the Aquarium” bekannt. Wir staunen wirklich nicht schlecht, als wir ins Wasser steigen und innert kürzester Zeit Hunderte von bunten Fischen um uns herum schwimmen. Wir können die Fische mit etwas mitgebrachtem Brot füttern und sie fressen uns sogar aus der Hand. Riesige Schwärme farbiger Fische umzingeln uns. Mit der Zeit werden sie allerdings etwas übermütig. Nägi wird plötzlich überall angeknabert. Sein Körper scheint die Fische stark an das delikate Weissbrot zu erinnern 😉 Leider haben wir die Kamera im Hotel vergessen und müssen uns nun mit Handy-Photos begnügen.

Danach fahren wir langsam der Küste entlang und halten nach Fischadlern Ausschau, welche Black mit Fischen füttern will. Ein einmaliges Spektakel, wie diese riesigen Vögel auf uns zu fliegen und dann knapp vor uns den Fisch aus dem Wasser holen.

Zurück im Hotel geniessen wir das süsse Nichtstum auf dem Liegestuhl. Nach dem Lunch will Nägi Wasserski fahren. Es braucht einige Versuche, viele Schlucke Seewasser und noch mehr Geduld bis es dann wirklich mal über längere Zeit oberhalb der Wasseroberfläche hinter dem Boot hergeht. Allerdings dann äusserst elegant 😉

Nach gut einer halben Stunde versucht Lex ihr Glück. Die Männer staunen nicht schlecht, als sie bereits beim zweiten Versuch locker hinter dem Boot herfährt. Zurück in der Lodge geniessen wir bei einem Sundowner den Sonnenuntergang mit Blick auf den See auf unserer Veranda.

Nach dem Frühstück fahren wir zurück zur Teerstrasse und weiter in Richtung Süden. Das Navi führt uns leider nicht durch Liwonde und Zomba, sondern weiter westlich durch ein etwas eintöniges, dafür sehr lebendiges Gebiet nach Blantyre. Es hat immer viele Leute unterwegs auf der Strasse. Nur wenige Autos, dafür umso mehr Fahrräder, mit denen alles mögliche transportiert wird und und die auch als Taxi funktionieren.

In Limba holen wir Geld und dann geht es durch eine fruchtbare Gegend in die Matemwa Teeplantagen. Wir übernachten im Huntingdon House, einem ehemaligen Kolonialhaus mitten in den Teeplantagen. Nach dem Mittagessen geniessen wir die Terrasse unseres Zimmers. Es gibt Regen und es kühlt ein wenig ab. Das Abendessen wird uns draussen auf der gedeckten Terrasse an einem wunderschön dekorierten Tisch serviert.

Die Sonne scheint wieder und es gibt Frühstück auf der Terrasse. Danach spazieren wir durch den prächtigen Garten und durch das saftig grüne Teeanbaugebiet.




Wir verlassen das schöne Anwesen nur ungern, aber heute wollen wir weiter zum Mulanje Mountain. Wir fahren also gut eine Stunde zur Likhubula Forest Lodge, die uns die Managerin vom Huntingdon House empfohlen hat und nehmen uns dort ein Zimmer. Zu Fuss geht es fünf Minuten zu den Likhubula Pools, natürliche Pools im nahegelegenen Fluss. Lex gönnt sich mit vielen malawischen Kindern ein Bad in einem der Pools. Nach dem Mittagessen wollen wir die Wasserfälle besichtigen. Wir fahren gut zwei Kilometer Offroad-Piste auf den Mulanje Berg hoch, bis wir nicht mehr weiter kommen.

Von dort gehen wir zu Fuss weiter. Bald beginnt es leider wie aus Kübeln zu regnen und wir haben nichts dabei um unsere Kamera zu schützen und kehren daher um. Der Regen ist zwar ziemlich erfrischend, da es nach wie vor noch brütend heiss ist. Wir fahren zurück zur Lodge und schon hört es wieder auf zu regnen. Also gehen wir nochmals zu den natürlichen Pools, wo wir ein einsames Plätzchen suchen und etwas baden.

Zurück in der Lodge treffen wir auf ein belgisches Paar und zwei Holländerinnen, die für zwei Monate für eine NGO in Zomba freiwillge Arbeit leisten und das Wochenende in Mulanje verbringen. Nach einer Dusche unterhalten wir uns bis zum Sonnenuntergang, essen gemeinsam zu Abend und bräteln Marshmallows über den Kerzen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück fahren wir via Blantyre zum Majete Nationalpark. Über eine Hängebrücke erreichen wir unsere Lodge.

Wir sind die einzigen Gäste in dieser traumhaften Unterkunft und haben die ganze Lodge für uns. Wir geniessen ein leichtes Mittagessen auf dem Deck mit Sicht auf den Fluss und danach machen wir es uns auf den Liegestühlen beim Pool bequem. Es ist fast so heiss wie im Sudan und der Pool ist eine willkommene Erfrischung. Um 16:00 Uhr machen wir uns in Shorts und T-Shirts in brütender Hitze auf zum Game Drive. Wir sehen ein paar Antilopen, darunter auch Sable Antilopen, viele Warzenschweine, ein paar Büffel und Elefanten und ganz viele Vögel. Sundowner gibt es bei einem künstlichen Wasserloch, wo gerade ein paar Warzenschweine und Affen Wasser trinken. Auf dem Rückweg ins Camp beginnt es zu regnen und zu blitzen. Eine willkommene Abkühlung. Wir geniessen ein herrliches Abendessen im Trocknen.

Wir werden um 5:00 Uhr geweckt, danach gibt es Frühstück und dann geht es los auf Pirsch. Eigentlich wollen wir heute eine Bootsfahrt machen. Wir fahren also gut eine Stunde dem Fluss entlang und sehen immer wieder verschiedene Antilopen, unter anderem ganz junge Impalas sowie Warzenschweine mit ganz jungen Frischlingen. Leider hat es zu wenig Wasser für eine Bootstour, also besichtigen wir die Kapichira Fälle, welche in nächster Nähe liegen. Zurück in der Lodge ist es bereits wieder brütend heiss. Wir geniessen die Zeit mit Baden im Pool. Am Nachmittag hat es genug Wasser und wir machen eine Bootstour auf dem Shire River. Wir sehen ganz viele Hippos und Vögel und trinken unseren Sundowner in unmittelbarer Nähe zu einer Elefantenherde – einfach herrlich. Zurück im Camp gibt es ein romantisches Abendessen am Pool.

Heute werden wir vor 6:00 Uhr von der Sonne geweckt, da wir die Gardinen diese Nacht offen gelassen haben. Wir stehen früh auf, da wir heute eine lange Reise nach Mozambique vor uns haben. Wir fahren durch den Park zurück zum Main Gate, da das Gate im Norden, welches uns gut zwei Stunden Umweg erspart hätte, nicht geöffnet ist. Via Blantyre geht es zur Grenze nach Mozambique. Auf dem kurzen Stück werden wir drei Mal von der Polizei angehalten und müssen 9 US Dollar wegen fehlender Reflekoren auf dem Fahrzeug bezahlen. Weder die reflektierenden Schweizer Nummernschilder, der Verweis auf funktionierende Scheinwerfer, die verbleibenden zwei Kilometer bis zur mozambikanischen Grenze, noch Nägis Täubeleien halten die netten Polizeibeamten vom Ausstellen der Busse ab. 400 Hundert Meter vor der Grenze werden wir dann nochmals von zwei Beamten angehalten, welche die Versicherung kontrollieren wollen. Dieses Dokument mussten wir in Malawi schon mehrere Male vorzeigen und wir sind dann auch etwas überrascht, als dieser Beamte es als einziger plötzlich nicht akzeptieren will. Nach einigen Diskussionen und dem Hinweis auf die verbleibende Strecke auf malawischen Boden können wir dann aber weiter zur Grenze fahren, wo wir die Formalitäten innert 15 Minuten hinter uns bringen. Wir verlassen Malawi schweren Herzens und den Kopf voller superschöner Erinnerungen an ein bezauberndes Land.